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Tägliches Briefing

23. Juli 2026 · 5 Themen (Webseite) · 5 Themen (Basis)

Am 23. Juli 2026 wechseln KI-Agenten vom Antworten zum Handeln: Ushur will Kundenanliegen bis zum Abschluss bearbeiten, NVIDIA bringt Agenten näher an Roboter und Kreativschaffende, Fay richtet sich an Teams ohne technisches Fachwissen, Washington prüft chinesische Modelle als Antrieb und PsiBot finanziert das Gehirn von Robotern.

🔥 Auf der Eins

01

Ushur bringt Agenten auf den Markt, die nicht nur antworten, sondern den Vorgang abschließen

Wer einen Schaden meldet oder seinen Versicherungsschutz ändert, sollte nicht länger von einer Stelle zur nächsten geschickt werden. Ushur startet eine Plattform, auf der der Agent das Anliegen versteht, Unterlagen einholt, in der Unternehmenssoftware handelt und die Person bis zur Lösung begleitet. Das ist der Unterschied zwischen einer Telefonzentrale, die nur eine Nummer nennt, und einem Assistenten, der den Fall wirklich übernimmt. Das Angebot richtet sich vor allem an Versicherungen, Gesundheitswesen und Banken, wo jede Handlung kontrolliert und überprüfbar sein muss. Es funktioniert per Textnachricht, E-Mail, Web oder Sprache, ohne dass Kundinnen und Kunden beim Wechsel des Kanals alles wiederholen müssen. Ushur nennt mehr als 200 Anbindungen an Unternehmenssoftware und bietet einen unverbindlichen Test an. Das Versprechen ist klar; wie gut es funktioniert, muss sich nun in echten Abläufen zeigen.

02

NVIDIA holt Agenten aus der Cloud, damit sie Roboter und Kreativwerkzeuge direkt vor Ort steuern

Ein Roboter, ein Auto oder ein Kreativstudio kann nicht immer auf die Antwort eines weit entfernten Rechners warten. Auf der SIGGRAPH stellt NVIDIA Cosmos 3 Edge vor, ein kompaktes Modell, das Text, Bilder, Videos, Ton und Handlungen direkt auf einem lokalen Gerät verarbeiten kann. So kann es etwa einem Roboter helfen, seine Umgebung zu verstehen, selbst wenn die Netzwerkverbindung langsam ist oder ganz fehlt. Dazu kommt NeMoClaw, ein Baukasten, mit dem ein Agent auf einem Arbeitsplatzrechner arbeiten kann. Außerdem öffnet NVIDIA eine gemeinsame Sprache für Agenten und Kreativsoftware. Adobe, Blender, Houdini und Unreal gehören zu den unterstützten Werkzeugen. Konkret könnte ein Agent eine fehlende Textur erkennen, mehrere Exporte vorbereiten oder eine Szene prüfen – wie ein Studioassistent, der jeden Arbeitsplatz kennt.

03

Fay will Fachteams ermöglichen, in fünf Tagen einen digitalen Kollegen zu schaffen

Ein Team im Support, im Finanzwesen oder in der Personalabteilung könnte seine Arbeit in normalen Worten beschreiben und einen Agenten erhalten, der sie in den gewohnten Werkzeugen ausführt. Das verspricht Fay, ein neues Angebot von PropulsionAI. Der Agent kann Slack, Gmail, Jira oder PagerDuty verbinden und anschließend einen vollständigen Ablauf erledigen, statt nur eine Frage zu beantworten. Das Unternehmen bietet eine einwöchige Probephase mit echten Kundendaten an – vergleichbar mit der Einarbeitung eines neuen Kollegen für eine konkrete Aufgabe, bevor über seine Einstellung entschieden wird. Fay unterstützt mehrere KI-Modelle und verringert damit die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Dennoch ist Vorsicht geboten: Die verfügbaren Angaben stammen aus einer Unternehmensmitteilung, und eine unabhängige Bewertung der Zuverlässigkeit bei komplexen Aufgaben liegt bislang nicht vor.

04

Washington erwägt, chinesischen Modellen in amerikanischen Agenten die Tür zu schließen

Amerikanische Unternehmen, die ihre Agenten mit chinesischen Modellen betreiben, könnten eines Tages den Antrieb wechseln müssen. Laut Axios diskutiert die Trump-Regierung über Beschränkungen. Chinesische Modelle sollen demnach 46,4 % des über OpenRouter verarbeiteten Volumens ausmachen, amerikanische Modelle 35,7 %. Es wäre, als erführe ein Unternehmen, dass der günstige Motor seiner gesamten Flotte bald verboten werden könnte: Ein Austausch ist möglich, kostet aber Zeit und Geld. Der Erfolg von Kimi K3 und DeepSeek treibt die Debatte an. Eine Entscheidung ist jedoch nicht gefallen: Es gibt bislang weder einen Präsidentenerlass noch eine offizielle Vorschrift. Die Meldung beschreibt interne Beratungen, über die Axios berichtet, kein geltendes Verbot.

05

PsiBot sammelt fast 100 Millionen Dollar ein, um Robotern physikalischen Alltagsverstand zu geben

Damit ein Roboter Wäsche falten oder einen zerbrechlichen Gegenstand greifen kann, muss er die Folgen seiner Bewegungen verstehen und nicht nur ein Bild erkennen. Das junge chinesische Unternehmen PsiBot entwickelt eine solche Art von digitalem Gehirn und hat dafür gerade fast 100 Millionen Dollar eingesammelt; die angegebene Bewertung liegt bei 1,48 Milliarden Dollar. Seine Modelle lernen die reale Welt mithilfe sensorbestückter Handschuhe und humanoider Roboter kennen und werden anschließend in Logistik und Industrie getestet. Das ist vergleichbar mit einem Auszubildenden, der Tausende Werkstattstunden sammelt, bevor er allein arbeiten darf. Die unter anderem von Chery Automobile und Lens Technology angeführte Finanzierungsrunde zeigt: Der Wettbewerb um Agenten spielt sich nicht mehr nur auf Bildschirmen ab, sondern verlagert sich auf Maschinen, die in unserer Umgebung handeln können.

📡 Im Auge behalten

Kimi K3 verspricht, seine Modellgewichte am 27. Juli offenzulegen

Moonshot kündigt an, sein riesiges Modell in Kürze zu öffnen. Das wird ein Praxistest im großen Maßstab: Entwickler können prüfen, ob seine Leistung die politische Sorge rechtfertigt, die es bereits auslöst.

Die gemeinsame Sprache für Agenten und Werkzeuge soll am 28. Juli einen wichtigen Schritt machen

Der MCP-Standard soll die Unterstützung langer Aufgaben und die Darstellung von Benutzeroberflächen in Werkzeugen fertigstellen. Für die Öffentlichkeit bedeutet das Agenten, die einen Auftrag länger verfolgen und klar zeigen können, was sie tun.

Ein chinesisches Modell wird in den USA zum Werkzeug für Sicherheitsuntersuchungen

GLM-5.2 wurde eingesetzt, um einen Angriff auf Hugging Face zu untersuchen, nachdem andere Modelle die Analyse der schädlichen Befehle verweigert hatten. Das erinnert daran, wie wertvoll ein Modell ist, das man selbst kontrollieren kann.

PsiBot strebt 2026 eine Million Stunden physischer Erfahrung an

Im Wettbewerb um Roboter zählt auch, wie viel Erfahrung sie sammeln. Diese Daten entsprechen den Fahrstunden eines Fahrschülers – nur lernen Maschinen damit, Gegenstände in der realen Welt zu handhaben.

📊 Trend

Agenten lassen die reine Unterhaltung allmählich hinter sich, übernehmen vollständige Abläufe und handeln in der physischen Welt. Ushur und Fay bringen sie in den Kundenservice und interne Abteilungen; NVIDIA verschafft ihnen Zugang zu Kreativsoftware und lokalen Geräten; PsiBot trainiert sie darin, Bewegungen und Gegenstände zu verstehen. Gleichzeitig erinnert die amerikanische Debatte über chinesische Modelle daran, dass jeder Agent von seinem Antrieb abhängt: Eine politische Entscheidung kann einen Dienst daher genauso sicher beeinträchtigen wie ein Ausfall. Die Prioritäten werden konkret: erledigte Arbeit überprüfen, bei sensiblen Entscheidungen einen Menschen einbeziehen und einen Ersatz für das verwendete Modell vorsehen.